Hinter den Kulissen von Otello

Bilder: Werkgymnasium
Bilder: Werkgymnasium

Basiskurse Musik zu Besuch bei Opernprobe der OH!

 

Am Mittwoch, dem 10. Juni 2026, hatten die Basiskurse Musik die besondere Gelegenheit, eine szenische Probe von Verdis Oper Otello in Heidenheim zu besuchen. Für die Schülerinnen und Schüler war dies eine seltene Möglichkeit, die Entstehung einer Opernproduktion aus nächster Nähe mitzuerleben – und sogar selbst Teil davon zu werden.

Schon beim Betreten des Probenraums wurde deutlich, dass eine Probe etwas ganz anderes ist als eine fertige Aufführung. Die Bühne war nur rudimentär aufgebaut. Vor der Spielfläche saß die Regisseurin Rosetta Cucchi mit ihren Regieassistenten und verfolgte das Geschehen.

Marijn Simons dirigierte die Probe. Er saß auf drei übereinandergestapelten Stühlen vor seinem Notenpult. Begleitet wurde die Probe lediglich von einer jungen Korepetitorin am E-Piano.

Besonders beeindruckend war die Arbeit der Regisseurin Rosetta Cucchi. Mit viel Temperament, großer Energie und einer charmanten Mischung aus Italienisch und Englisch erklärte sie den Darstellern ihre Vorstellungen von den einzelnen Szenen. Häufig kam sie selbst auf die Bühne, machte Bewegungen vor und zeigte den Beteiligten ganz genau, wie sie sich die szenische Darstellung vorstellte. Es war faszinierend zu beobachten, wie aus einzelnen Anweisungen nach und nach eine lebendige Theaterszene entstand.

Kaum angekommen, wurden wir selbst ins kalte Wasser geworfen. Die Schülerinnen und Schüler und ihre Musiklehrerinnen Juli Strasser und Tina Greulich wurden kurzerhand auf die eigentlich für den Opernchor vorgesehenen Plätze gesetzt und in die Probe eingebunden. Eine Gruppe stellte Mitglieder von Otellos Gefolgschaft dar. Ihre Aufgabe bestand darin, zu grölen, zu johlen und ihrem Anführer mit Ghettofaust zu begrüßen. Die andere Gruppe sollte als venezianische Gesandtschaft die Szene aufmerksam beobachten und das Geschehen neugierig mit ihren Handys filmen.

Plötzlich waren wir nicht mehr nur Zuschauer, sondern Teil der Inszenierung – und das machte allen großen Spaß.

Für zusätzliche Unterhaltung sorgte ein weiterer „Mitwirkender“: der kleine Hund von Rosetta Cucchi. Immer wieder trippelte er neugierig auf die Bühne und zog damit unsere Aufmerksamkeit auf sich. Irgendwann entschied die Regisseurin jedoch, dass ihr vierbeiniger Begleiter genug Bühnenluft geschnuppert hatte und leinte ihn kurzerhand an ihrem Stuhl an, damit die Probe ungestört weitergehen konnte.

Wie intensiv Opernsänger ihre Rollen ausfüllen, konnten wir ebenfalls hautnah erleben. In einer Szene spielte der Darsteller des Otello seine Rolle mit so viel Leidenschaft, dass er seiner Bühnenpartnerin Desdemona etwas zu kräftig auf den Rücken schlug. Die Probe musste daraufhin kurz unterbrochen werden – schließlich sollte die Sängerin die Produktion unversehrt überstehen.

Dieser kleine Zwischenfall zeigte, wie engagiert die Beteiligten bei der Sache waren.

Nach der Probe stand uns Sascha Gogl noch Rede und Antwort und lud uns eine Woche später ein, einen Blick hinter die Kulissen des Rittersaals zu werfen.

Abschließend besuchten wir die Hauptprobe im CongressCentrum,bei der wir sehen konnten, wie sich die zuvor geprobten Szenen dann auf der Bühne mit Orchester und Kostümen zusammensetzen.

Diese Besuche boten den Schülerinnen und Schülern eine seltene Gelegenheit, die Entstehung einer Opernaufführung aus nächster Nähe mitzuerleben und selbst für kurze Zeit Teil einer professionellen Produktion zu werden.

 

Die Begegnung mit den Künstlerinnen und Künstlern, die Einblicke in die Probenarbeit und die vielen unerwarteten Momente – vom Bühnenhund bis zur spontanen Mitwirkung – machten dieses Projekt zu einer Erfahrung, die uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Letzte Änderung am 03.07.2026 von Th. Werner