ALUMNI - mit Eisalgen zurück am WeG
Wie man mit dem Mikroskop den Klimawandel erforschen kann
Zellbiologie am Anfang der Oberstufe – das bedeutet für viele Schülerinnen und Schüler erst einmal: komplizierte Fachbegriffe, biochemische Prozesse und jede Menge Lernstoff. Manches kennt man noch aus der Mittelstufe, aber die Tiefe ist neu und herausfordernd. Da stellt sich schon mal die Frage: „Wozu das alles?"
Umso wertvoller ist es, wenn die Zellbiologie nicht nur aus dem Lehrbuch kommt, sondern praktisch greifbar wird – und wenn man erfährt, wozu das Gelernte später einmal dienen kann.
Genau diese Erfahrung machte der neue Biologie-Leistungskurs der Jahrgangsstufe 11 gleich zu Beginn des Schuljahres. Unsere ehemalige Schülerin Mirjam Paasch (Abitur 2017) besuchte den Kurs und brachte ganz besondere Gäste mit: mikroskopisch kleine Algen, die normalerweise auf dem Grönländischen Eisschild leben.

Bevor die Schülerinnen und Schüler sie unter dem Mikroskop betrachten konnten, mussten die Winzlinge allerdings erst einmal in den Kühlschrank – die Raumtemperatur im Biologieraum war für sie schlichtweg zu warm.
Von der Schulbank zur Klimaforschung
Mirjam Paasch berichtete zunächst von ihrem Werdegang: Die Begeisterung für die Naturwissenschaften am WeG – besonders im Biologie-Leistungskurs, Chemie-Leistungskurs und Kurs B – weckte ihr Interesse an der Forschung. Sie studierte Molekulare Biomedizin in Bonn und (Meeres-)Mikrobiologie in Oldenburg. Während ihrer Masterarbeit in Dänemark kam sie erstmals mit dem europäischen Forschungsprojekt „Deep Purple" in Kontakt. Heute arbeitet sie als Doktorandin am Helmholtz-Zentrum für Geoforschung in Potsdam genau in diesem Projekt – und untersucht dabei jene Eis- und Schneealgen, die sie für den Kurs mitgebracht hatte.
Der Projektname ist dabei Programm: Diese winzigen Algen produzieren dunkle, violette Pigmente, die inzwischen große Flächen des Grönländischen Eisschilds verfärben. Das Problem: Die dunkle Oberfläche reflektiert weniger Sonnenlicht, wodurch das Eis schneller schmilzt. Das Forschungsprojekt will verstehen, was das Wachstum dieser Algen beeinflusst, um präzisere Modelle für die Gletscherschmelze zu entwickeln, welche wiederum zukünftige Vorhersagen des Meeresspiegelanstiegs beeinflussen.
Feldforschung unter extremen Bedingungen
Mit eindrucksvollen Filmaufnahmen zeigte Mirjam Paasch, dass diese sehr spezielle Mikrobiologie nicht nur Laborarbeit bedeutet: Sie selbst war bereits zur Feldforschung auf Spitzbergen und Grönland – im Sommer wie im Winter, oft unter unwirtlichen Bedingungen.
Anschließend durften die Schülerinnen und Schüler bei deutlich angenehmeren Temperaturen selbst ans Mikroskop. Unter Mirjam Paaschs Anleitung untersuchten sie die mitgebrachten Algenkulturen, die in ihren Zellkulturflaschen zunächst nur als grünliche oder bräunliche „Suppe" erschienen. Mit den hochwertigen Zeiss-Mikroskopen der Schule wurden daraus gestochen scharfe Bilder einer erstaunlichen Vielfalt winziger Lebewesen.

Klimaforschung mit dem Mikroskop
Im Namen des Leistungskurses danke ich Mirjam Paasch herzlich für diesen Einblick in einen hochaktuellen Forschungsbereich, in dem die Zellbiologie eine zentrale Rolle spielt – und für die Erkenntnis, dass der Stoff aus dem Unterricht tatsächlich dabei helfen kann, eines der drängendsten Probleme unserer Zeit zu verstehen.
Anja Paasch
Wer noch weitere Eindrücke von dem Projekt „Deep Purple“ gewinnen möchte, dem sei der Film „Terra X – Unbekanntes Grönland“ empfohlen, in dem der Biologe Uli Kunz die Forschungsgruppe „Deep Purple“ auf dem Grönländischen Eisschild besucht hat:https://www.zdf.de/video/dokus/faszination-wasser-mit-uli-kunz-100/faszination-wasser-unbekanntes-groenland-mit-uli-kunz-doku-100

Direkter Link zur Forschungsgruppe am GFZ im Potsdam: https://www.gfz.de/sektion/grenzflaechen-geochemie/projekte/deep-purple